2008/07/27

Von RFID, Zertifikaten und Pässen

Diese Woche hat mich eine Kollegin auf die Webseite des "Überparteilichen Referendumskomitees gegen Biometrische Schweizer Pässe und Identitätskarten" aufmerksam gemacht.

Ich wusste bis dahin noch gar nicht, dass die Entscheidung über unsere neuen Pässe und Identitätskarten bereits gefallen war. Dies hat der Nationalrat in der Sommersession kurz und bündig abgehandelt. Der Bundesbeschluss sieht vor, dass künftig beide Ausweispapiere einen Chip enthalten können (nicht müssen, AWG Art. 1 Abs. 2bis) und dass, wie zu erwarten war, biometrische Daten darauf gespeichert werden.

Die Anwendung von Radio Frequency Identification RFID ist im Gesetz nicht konkret erwähnt oder gefordert, gemäss AWG Art. 2a Abs. 1 bestimmt der Bundesrat die technischen Anforderungen.

Abs. 2 dieses Artikels gefällt mir besonders:
Der Bundesrat ist befugt, mit anderen Staaten Verträge über das Lesen der im Chip
gespeicherten Fingerabdrücke abzuschliessen, sofern die betreffenden Staaten über
einen Datenschutz verfügen, der dem schweizerischen gleichwertig ist.


Dies schliesst für den Moment zumindest die Vereinigten Staaten aus - nur die Staaten der Europäischen Union haben ein "gleichwertiges Datenschutzniveau" (gemäss dem Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich, Herrn Bäriswyl).

AWG Art. 1 Abs. 2quater ist auch noch sehr interessant:
Der Ausweis kann zudem elektronische Identitäten für Authentisierungs-,
Signatur- und Verschlüsselungsfunktionen enthalten.

Somit scheint klar, wo wir Schweizer (nicht ausländerfeindlich gemeint, aber der Bundesbeschluss sieht keine entsprechende Passage im Ausländergesetz vor) künftig unsere Zertifikate aufbewahren werden.

Technisch dürfte es bei einem RFID-Chip wohl kaum möglich sein, ein Zertifikat on-chip zu generieren, wie dies das ZertES verlangt (zu wenig Leistung) - und der Pass hat sowieso nicht Smartcard-Format. (Die Idee eines Passes mit USB-Anschluss gefällt mir zwar, wäre was für ne Fotomontage). Also bleibt nur die Identitätskarte. Da die "Vorteile" von RFID auf der Hand liegen wird auf diese Funktionalität wohl kaum verzichtet - die Karte mit 2 Chips auszustatten dürfte nicht billig sein.

Was kann unser Ausweispapier also künftig im besten Fall?
  • Es kennt unsere persönlichen Daten wie Name, Vorname usw. gemäss AWG Art. 2
  • Es enthält ein Foto und unsere Fingerabdrücke
  • Es kann digital unterschreiben
    und das Beste:
  • es kann diese Informationen weitergeben ohne dass wir es mitkriegen :-)
Klar, ein Schutz sollte gegeben sein - so kann der Pass 06 nur ausgelesen werden wenn die Maschine vorher den Code auf der Plastikkarte ausliest - ohne diesen erhält sie nur wenige (keine?) Informationen vom Chip. Aber die Technik schreitet voran , und RFID breitet sich aus. Seit ein paar Wochen bekam ich plötzlich zwischendurch keinen Zutritt mehr zur HSR, oder der Automat spuckte nichts aus, wenn ich mein Portmonnaie auf den Leser legte. (Ja, auch wir haben RFID-Legis - von Kudelsky, heissen Legic). Dachte mir nicht viel dabei, vielleicht waren ja zuviele Münzen dazwischen. Als ich aber mal genauer hinsah merkte ich, dass es "Unbekannt" hiess - da meldete sich was anderes! Und wer hätte es gedacht, es ist die CineCard der Kitag - stand auch nirgends, dass da ein RFID-Chip drin ist. Also, mal Buchführung über meine RFIDs:
  • Kitag - check
  • Oyster Card (London Underground) - check
  • Legic für Hochschule für Technik - check
... und das Problem ist, ich weiss nicht mal ob das alle sind! Es bleibt wohl nur noch eins: Shoppen gehen, und zwar RFID-abschirmende Portmonnaies und einen Tag-Sucher...

PS: Im September nehme ich an einer Führung durch den Future Store teil, alles mit RFID. Mehr dazu sicher hier.

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